Zum Tode von Peter Keetman

Nach einem erfüllten Leben ist der Photograph Peter Keetman am 8. März 2005, im 89. Lebensjahr in Marquartstein gestorben.

Peter Keetman begann seine berufliche Ausbildung 1937 an der ‚Bayerischen Staatslehranstalt für Lichtbildwesen’ in München. Sein Werk ist gleichermaßen von natürlichen wie industriellen Sujets geprägt. Zu seinen wichtigsten Arbeiten gehört die im Jahre 1953 entstandene Serie „Volkswagenwerk“. Als Mitglied der Gruppe „fotoform“ gewann Keetman entscheidenden Einfluss auf die deutsche Nachkriegsphotographie. Als herausragender Exponent der „Subjektiven Fotografie“ ist er in die Annalen der Photographiegeschichte eingegangen. Sein in weiten Teilen erst noch zu entdeckendes Oeuvre umfasst Arbeiten aus gut sieben Jahrzehnten.

Zahlreiche Preise und Ehrungen wurden Peter Keetman zuteil, darunter die David Octavius Hill Medaille der ‚Deutschen Photographischen Akademie’ im Jahre 1981 und der Kulturpreis der ‚Deutschen Gesellschaft für Photographie’ (DGPh) im Jahre 1991.

Mit seiner Photographie hat sich Keetman bemüht, hinter die Oberfläche zu blicken, sie mit der klaren und unbestechlichen Optik des Apparates zu durchdringen, um Tiefenschichten von Wirklichkeit, das Geheimnis von Formwerdung und Gestaltverlust, sichtbar zu machen. Sein abstrahierender Blick entkontextualisiert die Dinge, um sie zugleich als Teil eines übergeordneten Ganzen sichtbar werden zu lassen. Keetman hat auf das spirituelle, christliche Motiv seiner Arbeit immer wieder hingewiesen. Fast möchte man sagen: Er war seinem Selbstverständnis nach ein „Spurenleser der Schöpfung“ im 20. Jahrhundert.

Viele seiner Motive hat er in seiner nächsten Umgebung, vor allen Dingen in der Natur gefunden. Unzählige Male hat er Tropfen photographiert und damit seinem Staunen über die Perfektion der Schöpfung Ausdruck verliehen. Er hat es einmal so formuliert:

„Innerhalb der Tropfen gab es in jedem ein verkleinertes Abbild der Umwelt. Ist das nicht allein schon ein kleines, ein leises, ein unbeachtetes Wunder, das ein suchendes Auge beglückt? Was die Photographie mir erschließt, sind Gesetze und Schönheiten. Je tiefer ich photographierend in die Materie eindringe, umso größere Welten tun sich mir auf.“

Peter Keetman hat es geschafft, die ordnende Kraft des Lichtes in Formen und Strukturen aufzuspüren, um die Ordnung und Verlässlichkeit der Schöpfung zu bezeugen – und um uns am Glück dieses Staunens teilhaben zu lassen.

Die Beisetzung findet in aller Stille im engsten Familienkreis statt.

Prof. F.C. Gundlach
Stiftung F.C. Gundlach
Hamburg, 09.03.2005


Kurt Julius, Porträt Peter Keetman 1981
Courtesy Stiftung F.C. Gundlach, Hamburg