Zum Tod von Toni Schneiders
Toni Schneiders, der große Photograph und 1999 – zusammen mit seinen fotoform-Kollegen Siegfried Lauterwasser, und Wolfgang Reisewitz - Träger des Kulturpreises der Deutschen Gesellschaft für Photographie, ist am 4. August verstorben. Er gehörte zu den ersten Mitgliedern der DGPh: Seine Berufung datiert vom 6. September 1951. Seine große, retrospektive Ausstellung „Toni Schneiders – Photographie“ tourt derzeit mit großem Erfolg durch Deutschland. Er hat diese noch selbst zusammengestellt.
Schon 1949 gründete Toni Schneiders zusammen mit Peter Keetman (DGPh-Kulturpreisträger 1991), Otto Steinert (DGPh-Kulturpreisträger 1962 und Namensgeber des Preises der Sektion Bild) und Ludwig Windstoßer die heute legendäre Gruppe fotoform. Toni Schneiders wurde am 13. Mai 1920 in Urbar bei Koblenz geboren, wo er eine Photographenlehre absolvierte. Nach seiner Gesellenprüfung 1939 musste er zum Arbeitsdienst, der 1940 nahtlos in den Wehrdienst überging. Wegen seiner photographischen Ausbildung kam er zur Bildauswertungsstelle der Luftwaffe. Nach einer Ausbildung zum Kriegsberichterstatter wurde er an verschiedenen Fronten eingesetzt, so in der Normandie, in Paris und in Italien. Seine Aufnahmen von der Befreiung Mussolinis auf dem unzugänglichen Bergmassiv des Gran Sasso werden heute, neben vielen weiteren Bildern Schneiders’, im Bundesarchiv in Koblenz aufbewahrt.
Am Ende des Krieges konnte Toni Schneiders nicht nur aus der russischen Gefangenschaft entkommen, sondern auch noch seine Dienst-Leica mit in den Frieden nehmen. Diese Kamera half zunächst, seinen Beruf als Photograph wieder aufzunehmen.
Vermutlich auf Anregung von Bernd Lohse legte Schneiders wenig später der Jury einer Photoausstellung in Neustadt an der Weinstraße eine Auswahl seiner Aufnahmen vor.
Beim Besuch der Ausstellung lernte er den mit der Organisation betrauten Photographen Wolfgang Reisewitz kennen. Da die Jury auch Photos von Toni Schneiders ausgewählt hatte, stimmte dieser spontan dem Vorschlag von Reisewitz zu, mit anderen Photographenfreunden eine Gruppe zu bilden, um bei zukünftigen Ausstellungsprojekten mehr Einfluss zu haben. So wurde er Gründungsmitglied der Gruppe fotoform.
Tonis Schneiders’ Lebenswerk, das viele Aufnahmen aus der geliebten Bodenseeregion – er lebte seit 1948 bis zu seinem Tod in Lindau - , aber auch unzählige Aufnahmen aus den verschiedensten fremden Ländern, Landschaften und Städten enthält, ist in einer großen Zahl von Bildbänden dokumentiert. In den 1970er und 80er Jahren kamen zu den Landschaftsbänden sehr einfühlsame, eindrucksvolle Photo-Essays über die Plastiken des Holzschnitzers Tilmann Riemenschneider, über den heiligen Franziskus („Der Mann von Assisi“) und den Schweizer Eremiten Nikolaus von Flüe. Peter Keetman charakterisierte seinen Photographen-Kollegen mit den Worten: „Toni Schneiders’ herzerfrischende Art mit Menschen umzugehen, stand und steht seiner zurückhaltenden Bescheidenheit gegenüber. Soweit es sein eigenes Werk betrifft, und wenn er etwas ergreift und beginnt, so entsteht daraus – schlicht gesagt - photographische Kammermusik“.
Mit Toni Schneiders ist einer der wichtigsten Protagonisten des Mediums Photographie der Nachkriegszeit von uns gegangen.
H.-G. v. Zydowitz
